Viele Leute fragen sich: Mit welchen Versicherungen muss ich mich besonders auseinandersetzen, welche kann ich ignorieren? Die folgende Liste gibt dir einen groben Überblick über die relevantesten Versicherungsprodukte und wie viel sie üblicherweise kosten.
Als Versicherungsmakler ist es nämlich meine Pflicht, meine KundInnen über die wichtigsten Versicherungen zu informieren und ihnen zu zeigen, wovor sie sich womit genau schützen können. Wenn ich dieser Aufklärungspflicht nicht nachkomme, gehe ich mitunter immense Haftungsrisiken ein – denn als Versicherungsmakler kann ich dich nur unterstützen, wenn du vor einem möglichen Schaden einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hast. Ist der Schadensfall aber bereits eingetreten, dann kann ich dir mit meinen Mitteln leider meist nicht mehr helfen.
Meine Ausführungen stützen sich überwiegend auf frei zugängliche Informationen von Verbraucherschutzseiten und Verbraucherzentralen, die ich weiter unten noch einmal separat verlinkt habe. Eine gute Möglichkeit, deinen Versicherungsbedarf von unabhängiger Seite aus zu erarbeiten, bietet zudem der Bedarfscheck des Bund der Versicherten.
Privathaftpflichtversicherung
Eine Privathaftpflichtversicherung leistet im Falle deiner gesetzlichen Haftpflicht (z. B. wenn jemand Schadensersatz oder Schmerzensgeld von dir fordert) und wehrt unberechtigte Ansprüche ab. Eine Diensthaftpflichtversicherung leistet dasselbe für den Fall, dass du als Beamtin oder Angestellte im öffentlichen Dienst deinem Dienstherrn gegenüber schadensersatzpflichtig werden. Der maximale Schaden kann mehrere Millionen Euro betragen, weshalb aus Sicht des Verbraucherschutzes die Privathaftpflichtversicherung als die wichtigste Versicherung überhaupt erachtet wird. Die Kosten für gute Singletarife beginnen bei 40 EUR pro Jahr, gute Familientarife liegen etwa zwischen 50 und 70 Euro pro Jahr.
Berufsunfähigkeits-/Dienstunfähigkeitsversicherung
Eine Berufs- bzw. Dienstunfähigkeitsversicherung leistet in dem Fall, dass du deine zuletzt ausgeübte Tätigkeit nur noch zu 50 Prozent ausüben kannst bzw. von deinem Dienstherrn als dienstunfähig eingestuft wirst; die Ursache der Berufs- bzw. Dienstunfähigkeit ist dabei irrelevant. Auf diese Weise schützt dich eine Berufsunfähigkeitsversicherung vor dem Einkommensverlust im Falle einer schweren Krankheit wie Krebs oder Depression oder eines Unfalls.
Die Wahrscheinlichkeit einer mehrjährigen Berufsunfähigkeit für eine 30-jährige Person liegt etwa zwischen 30 und 40 Prozent; viele Verbraucherschutzorganisationen erachten die Berufsunfähigkeitsversicherung deshalb für eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt, insbesondere für Personen, die eine Familie gründen möchten oder bereits Kinder haben. Je nach Einkommenssituation kann der potenzielle Schaden mehrere Hunderttausend bis mehrere Millionen Euro betragen.
Die Beiträge für eine solche Versicherung sind umso günstiger, je eher du sie abschließt und je gesünder du zum Antragszeitpunkt bist und können etwa zwischen 50 und 150 Euro pro Monat liegen. Beantragst du eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit erst zu einem späteren Zeitpunkt, kann es sein, dass du mit Leistungsausschlüssen rechnen musst oder dein Antrag von keinem Versicherer mehr angenommen wird.
Pflegezusatzversicherung
Eine Pflegezusatzversicherung leistet, wenn von amtlicher Seite aus ein Pflegegrad festgestellt wird und zahlt einen monatlichen Zuschuss, um die Kosten für ambulante oder stationäre Pflege bezahlen zu können. Je nach Pflegegrad kann dieser Zuschuss zwischen 200 und 2500 EUR betragen. Angesichts der offenkundigen Organisationsprobleme der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung kann die private Vorsorge in diesem Bereich nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ähnlich wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung müssen auch hier Gesundheitsfragen beantwortet werden; der zu zahlende Beitrag ist folglich abhängig vom gesundheitlichen Zustand sowie deinem Alter bei Antragsstellung. Gute Tarife für Kinder kosten ca. 18 EUR pro Monat, eine 35-jährige Person muss hingegen bereits mit langfristigen Beiträgen ab 50 EUR pro Monat rechnen.
Risikolebensversicherung
Eine Risikolebensversicherung leistet im Falle deines Todes und zahlt eine bestimmte Geldsumme an deine Hinterbliebenen aus. Insbesondere bei Bestehen eines Immobilienkredits oder Familien mit Kindern ist eine Risikolebensversicherung zumindest auf das Leben des besserverdienenden Elternteils anzuraten, um den plötzlichen Wegfall eines Großteils des Haushaltseinkommens aufzufangen. Ein guter Richtwert für eine sinnvolle Versicherungssumme liegt dabei beim 3- bis 5-fachen des eigenen Bruttoeinkommens. Einige Versicherer bieten vereinfachte Gesundheitsfragen an, wenn die Geburt eines Kindes oder der Kauf einer Immobilie maximal sechs Monate zurückliegt. Je nach Leistungsumfang und persönlichem Risikoprofil liegt der Beitrag dabei zwischen 10 und 30 EUR monatlich.
Hausratversicherung
Eine Hausratversicherung leistet, wenn dein sich in deiner Wohnung bzw. Immobilie befindliches Eigentum durch Explosion, Feuer, Überschwemmung, Erdbeben, Einbruch oder Unachtsamkeit zerstört wird. Es kann ebenfalls eine Leistung bei Diebstahl deines Fahrrades vereinbart werden. Da du dich nach einer vollständigen Zerstörung deines Hausrates komplett neu eindecken musst, bekommst du von der Hausratversicherung den durchschnittlichen Neuwert bzw. Wiederbeschaffungswert ausgezahlt. Die empfohlene Mindestabsicherung liegt bei 650 EUR pro Quadratmeter Wohnfläche, das entspricht dem Wert an Hausrat, den ein deutscher Privathaushalt im Durchschnitt besitzt. Je nach Wohnfläche kostet die Hausratversicherung zwischen 30 und 120 EUR pro Jahr.
Rechtsschutzversicherung
Mit einer Rechtsschutzversicherung kannst du die Kosten abdecken, die bei der Konsultation von Rechtsanwälten oder Gerichtsprozessen anfallen. Während Anwaltshonorare mitunter mehrere 100 EUR kosten können, können die Kosten bei (verlorenen) Gerichtsverfahren schnell bei mehreren 1000 bis 10.0000 EUR liegen. Mit einer Rechtsschutzversicherung sicherst du dir also vorab die nötige finanzielle Ausstattung, um deine rechtlichen Interessen durchsetzen zu können. Der Umfang der Rechtsschutzversicherung folgt dabei dem Baukastenprinzip: Während das Privatrecht stets abgedeckt ist, ist eine beliebige Kombination aus Arbeitsrecht, Verkehrsrecht, Mietrecht und Strafrecht möglich. Üblicherweise gilt dabei eine sogenannte „Wartezeit“, was bedeutet, dass für alle Schadensfälle, die in den ersten drei Monaten nach Vertragsbeginn stattfinden, keine Leistung übernommen wird. Je nach vereinbartem Leistungsumfang kostet eine Rechtsschutzversicherung zwischen 100 und 350 EUR pro Jahr.
Zahnzusatzversicherung
Eine Zahnzusatzversicherung übernimmt die gesetzlich vorgeschriebenen Eigenanteile bei regulären Zahnbehandlungen sowie Kosten für Zahnbehandlungen und Zahnersatz, die über das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß hinausgehen. Das gesetzliche Mindestmaß wird dabei als zahnmedizinische Regelversorgung bezeichnet und erstreckt sich auf herausnehmbaren Zahnersatz, der als tendenziell günstig, aber ästhetisch oftmals wenig ansprechend angesehen wird. Der Eigenanteil in der Regelversorgung kann mitunter mehrere 100 EUR betragen und durch ein gut geführtes Zahnarzt-Bonusheft reduziert werden. Wer höherwertigen Zahnersatz haben möchte (z.B. festsitzende Implantate), muss jedoch mit einem deutlich höheren Eigenanteil rechnen, der schnell bei mehreren 1000 EUR liegen und unter Umständen mehr als 10.000 EUR betragen kann. Die Zahnsatzversicherung übernimmt diese Kosten zu 80 bis 100 Prozent, wobei die Auszahlungsleistungen in den ersten vier Jahren üblicherweise gestaffelt sind (z.B. max. 1500 EUR im ersten Vertragsjahr, max. 4500 EUR in den ersten vier Vertragsjahren). Zusätzlich bieten viele Tarife jährliche Erstattungen für die professionelle Zahnreinigung und Prophylaxe an. Der Beitrag für die Zahnzusatzversicherung steigt mit dem Alter an, üblicherweise alle fünf oder zehn Jahre; eine 20-jährige Person muss zwischen 10 bis 20 EUR pro Monat dafür ausgeben, während eine 40-jährige Person mit Kosten zwischen 30 bis 40 EUR pro Monat rechnen muss.
Unfallversicherung
Eine Unfallversicherung leistet, wenn infolge eines Unfalls eine bleibende Beeinträchtigung („Invalidität“) bestehen bleibt. In diesem Fall wird ein Einmalbetrag ausgezahlt, mit dem beispielsweise Umbaukosten des eigenen Wohnraums oder die Einstellung einer Pflegekraft bezahlt werden können. Es können zusätzliche Bausteine vereinbart werden, die bei einem Aufenthalt in einem Krankenhaus (sogenanntes Krankenhaustagegeld, nicht empfehlenswert) oder bei zeitnahem Versterben nach dem Unfall (nicht empfehlenswert, da besser über eine Risikolebensversicherung abzusichern) einen Leistungsfall auslösen; auch eine monatliche Unfallrente kann vereinbart werden. Es ist anzumerken, dass nur etwa 10 Prozent aller Berufsunfähigkeitsfälle auf Unfälle zurückzuführen sind; eine private Unfallversicherung kann deshalb nicht als Alternative zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung angesehen werden. Sinnvolle Unfallversicherungen haben eine Grundsumme von 100.000 Euro und eine sogenannte Progression (das ist ein schadensabhängiger Faktor, mit dem die Grundsumme multipliziert wird) von 500 Prozent; bei einer Vollinvalidität würde man damit 500.000 Euro als Versicherungsleistung erhalten. Gute Tarife für Erwachsene kosten ab 130 Euro jährlich, für Kinder ab 60 Euro jährlich.
Auslandsreisekrankenversicherung
Wenn du bei vorübergehenden Auslandsaufenthalten krank wirst, wirst du von deiner gesetzlichen Krankenkasse nur bei medizinisch notwendigen Behandlungen (EU-Land) oder überhaupt nicht (Nicht-EU-Land) unterstützt. Zudem musst du die Kosten für einen Rücktransport nach Deutschland in jedem Fall selbst übernehmen – das gilt selbst dann, wenn er medizinisch notwendig ist, weil du z. B. nur in Deutschland angemessen behandelt werden kannst. Ein solcher Rücktransport aus einem EU-Land kann mehrere 1000 EUR kosten – ein Intensivtransport aus den USA hingegen kann deutlich mehr als 200.000 EUR kosten. Mit einer Auslandsreisekrankenversicherung kannst du dich für sehr wenig Geld gegen diese gewaltigen Ausgaben schützen. Gute Jahresverträge kosten pro Person rund 10 bis 20 EUR pro Jahr.
Jetzt kennst du die wichtigsten Versicherungsprodukte. Was du davon jedoch konkret brauchst, welche weiteren Versicherungen für deine spezifische Situation sinnvoll sein könnten (etwa, wenn du selbständig bist) und welche Versicherungen du priorisieren solltest, wenn du nicht viel Geld zur Verfügung hast – das alles sind Fragen, die wir in einer individuellen Finanzberatung klären würden. Schau dich also gerne noch ein bisschen in meinem Blogbereich um – oder vereinbare direkt einen Termin mit mir, denn du weißt ja: Wenn es niemand anders macht, wird sich erst recht nichts verändern.
Quellen
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/weitere-versicherungen/welche-versicherung-brauche-ich-12605
https://www.finanztip.de/sinnvolle-versicherungen/
https://www.test.de/Versicherungen-Optimaler-Risikoschutz-1162242-0
https://www.vzhh.de/themen/versicherungen/versicherungsbedarf/welche-versicherung-brauche-ich-wirklich
https://www.finanzfluss.de/versicherung/welche-versicherungen-braucht-man/
https://www.bundderversicherten.de/de/gut-beraten/versicherungsrechner/bedarfscheck