Am Primärmarkt werden neu herausgegebene Aktien oder Anleihen erworben, wodurch den jeweiligen Emittenten neues Geld zufließt. Bei der staatlichen Geldschöpfung findet am Primärmarkt der Erstverkauf von Staatsanleihen statt, sodass eine Staatsregierung sich mit Zentralbankgeld eindecken kann. Der Primärmarkt in Deutschland besteht einzig aus den Mitgliedern der Bietergruppe Bundesemissionen, die die neuen Staatsanleihen in einem Auktionsverfahren unter sich aufteilen. Für den Erwerb der Anleihen müssen sich die Banken der Bietergruppe vorher bei der Zentralbank verschulden, um an Zentralbankgeld zu gelangen. Die am Primärmarkt erworbenen Staatsanleihen werden dann am Sekundärmarkt anderen Marktteilnehmern für den Zweiterwerb zur Verfügung gestellt. Lehnen zu viele Mitglieder der Bietergruppe den Erwerb von neuen Staatsanleihen ab (nur 0,05 Prozent der jährlichen Neuemissionen müssen von einem einzelnen Kreditinstitut übernommen werden), kann es sein, dass die Regierung kein Zentralbankgeld mehr erhält und zahlungsunfähig zu werden droht (siehe auch Griechische Staatsschuldenkrise). Im Gegensatz zur Regelung in der Eurozone sind die primary dealers in den USA dazu verpflichtet, die US-amerikanische Zentralbank bei ihrer Geldpolitik zu unterstützen und neu geschöpftes Zentralbankgeld entsprechend an die US-amerikanische Regierung weiterzureichen. Aus diesem Grund kann die US-Regierung technisch gesehen niemals zahlungsunfähig werden, außer aus politischen Gründen, wie das bei einem government shutdown der Fall ist.

MRS